Automatische „Besenbinder“ aus Burgwald

Die Firma Schlesinger konstruiert seit 1919 Bürstenherstellungsmaschinen für Kunden in der ganzen Welt

Wer sich von Franz Bender durch die Produktionshalle der Maschinenbaufirma Schlesinger führen lässt, der betrachtet fortan seine Zahn- oder Toilettenbürste oder auch den Kehrbesen mit anderen Augen: die simplen Putzgeräte sind tatsächlich Hightech-Produkte, das Werk von komplizierten, computergesteuerten, halb oder vollautomatischen Maschinen. Und die stellt der seit der seit 1951 in Burgwald ansässige Betrieb her, dessen Geschäftsführer der 57-jährige Bender seit dem Jahr 2000 ist.

Die Hauptaufgabe der Bürstenherstellungsmaschinen, die in Burgwald konstruiert werden, ist es, die Borstenbündel in die Bürstenköpfe zu stecken – und zwar in einem Tempo, zu dem kein Mensch in der Lage wäre. Ob die Bürsten später Zähne, Autos oder Straßen putzen, spielt für die Maschinenbauer in Burgwald im Grunde keine große Rolle: Sie stellen Spezialanfertigungen entsprechend den Vorgaben ihrer Kunden her. So sind laut Bender Bürsten mittlerweile auch in der Industrieproduktion ein Universalinstrument, etwa zum Polieren von Oberflächen, Reinigen oder Abdichten.
 
Die Kunden der Firma Schlesinger, Bürstenproduzenten vom kleinen Familienbetrieb bis zum Großunternehmen, sitzen in der ganzen Welt, „von Japan und Sri Lanka über Russland und Arabien bis nach Südamerika“, berichtet Bender, der sein Unternehmen von der Pike auf kennt: Er hat dort mit 15 Jahren eine Lehre als Maschinenschlosser begonnen. Ein Kunde hat seinen Sitz gleich in der Nachbarschaft: die Firma Osborn. „Wir haben eine hohe Fertigungstiefe“, sagt Bender: Fast die kompletten Maschinen werde in Burgwald gebaut, „20 bis 30 im Jahr“. Von den 41 Mitarbeitern sind 33 in der Produktion beschäftigt, vor allem Industriemechaniker und Werkzeugmechaniker. In jeder der komplizierten Konstruktionen stecken viele Handgriffe. Der Betrieb bildet regelmäßg aus, derzeit drei Auszubildende. „Wir versuchen nach Möglichkeit, sie in die Produktion zu übernehmen“, sagt Bender.
 
Seit 1977 gehört die Firma zu den Roth-Werken in Dautphetal-Buchenau. Auf dem Markt für Bürstenherstellungsmaschinen steht Schlesinger im Wettbewerb mit drei anderen Firmen, wobei Schlesinger sich auf das Segment der Industriebürsten spezialisiert hat. Die Größe der Maschinen reiche von sehr klein bis sehr groß, die Preise je nach Automatisierungsgrad von 20 000 bis 40 000 Euro.
 
6000 Maschinen weltweit
 
Seit der Gründung des ursprünglich aus dem Erzgebirge stammenden Betriebes vor 90 Jahren hat Schlesinger an die 6000 Maschinen weltweit verkauft, sagt der Geschäftsführer. Auch um Service und Reparaturen kümmert sich die Firma. „Da ist sehr viel Mechanik, Verschleißteile. Ersatzteile sind ein wichtiges Standbein.“ Doch die robusten Maschinen haben eine hohe Lebensdauer: Bender weiß von einer 50 Jahre alten Anlage, die nach mehreren Stationen mittlerweile in Afrika steht. Sie laufe nach wie vor einwandfrei.

Quelle: Frankenberger Zeitung von Martin Baumgartner

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